Trockenmauern im Mallorca-Lexikon

Trockenmauern sind heute für Mallorca typisch und zeugen davon, wie im Laufe der Jahrhunderte die Einheimischen versuchten, Land für den Feldbau vorzubereiten. Der Boden auf Mallorca ist zwar fruchtbar, aber mit Steinen übersät. Wenn die Mallorquiner nun Ackerbau betreiben wollten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Kalksteine und Sandsteinbrocken übereinander zu schichten. Das Feld wurde so von Steinen befreit, gleichzeitig hatte man eine natürliche Mauer geschaffen, die die Feldfrüchte und das Erdreich vor Wind schützte. Diese Mauern, die man überall auf Mallorca findet, werden auch „Marges“ genannt. Es ist wahrscheinlich, dass diese Technik aus den Zeiten der Talaiotkultur herrührt. Die muslimischen Eroberer der Insel machten diese Technik dann später vollkommen und verwendeten aufgeschichtete Steine nicht nur zum Mauerbau, sondern auch zum Bauen und Stabilisieren von Terrassen. Die Marges findet man auf der gesamten Insel, vor allem aber im Süden und im Osten Mallorcas und in der Serra de Tramuntana, wo sie als Stützwälle für die Felder fungieren. Sie werden auch Tancamauern genannt, vom katalanischen Wort „tanca“, was soviel wie „Umzäunen“ oder „Zaun“ bedeutet. Die Herstellung der Marges ist eine Kunst, für die es auf Mallorca sogar eine eigene Schule gibt. Mörtel oder Beton sind als Materialien verpönt, wenn die Steine nicht fugenlos ineinander passen, werden sie in die passende Form gehauen. Auch Wegkreuze aus Stein sind von Mallorcas Feldern nicht wegzudenken. Manche sind schon verwittert, manche mit Holz oder Kacheln geschmückt. Sie sollen den Wanderern die Grenzen von Gemeinden oder Siedlungen aufzeigen und zu einem kurzen Gebet anregen.


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